Schwanenteich Mühlhausen

 

 

 

 

               Der Schwanenteich in Mühlhausen

                      Unser Freibad - Geschichte ohne Zukunft ?

 

Die Geschichte des mühlhäuser Schwanenteich als Naherholungsgebiet der Stadt ist schnell erzählt. Nehmen sie sich etwas Zeit um sie kennen zu lernen.

     

Der heutige Schwanenteich war über Jahrhunderte der untere Popperöder Teich. Erst nachdem dieser am Ende des 19. Jahrhunderts von Schwänen als Brutgebiet auserkoren wurde, die Population jährlich zunahm und 1896 das von Hermann Ackermann betriebene Schwanenteich - Restaurant eröffnet wurde, änderte sich der Name. 1897 brannte die, auf der Stelle der ehem. Schneidemühle erbaute, Gaststätte nieder. Ein Jahr später, 1898, als Ausflugslokal mit Konzert- und Tanzsaal (der zu dieser Zeit der größte und modernste in Thüringen) neu eröffnet, bildet dieses Datum eigentlich die Geburtsstunde der Kulturstätte Schwanenteich.

          

Durch die Eröffnung der Straßenbahnaußenlinie nach Popperode, ebenfalls 1898 war der Schwanenteich im 1/4 Stunden Takt von der Stadt aus erreichbar.

  

 Schwanenteich - Saal um 1943

  

Bereits im Jahre 1886 wurde eine Badeanstalt am unteren Popperöder Teich eröffnet. Sie war der Ersatz für die Golsche Badeanstalt an der Unstrut (in Höhe des Wehres am Wendewehr). 1922 kam eine 100 m--Schwimmbahn hinzu. Der Schwanenteich etablierte sich bei den Mühlhäusern langsam zum beliebtesten Naherholungsgebiet neben dem Stadtwald.

 

Nach den beiden Weltkriegen als Lazarett genutzt, erfreute sich die Ausflugsgaststätte Anfang der 1950er wieder zunehmender Beliebtheit. Der Ruf nach einem separaten Bad, das bisher parallel zum Gondelteich betrieben wurde, wurde laut. Mit der allseits beliebten Straßenbahn kamen die Mühlhäuser an den Wochenenden hierher, um sich zu erholen und die nahe Natur zu genießen.

  

Von 1956 an und im Rahmen des Nationalen Aufbauwerkes errichteten die Bürger der Stadt und vor allem die Jugend, freiwillig und ohne finanzielle Entschädigung ihr "Bad der sozialistischen Jugend", das 1958 offiziell übergeben wurde. Vor allem durch seine weitläufigen Liegewiesen und das Kampfbecken hatte Mühlhausen das schönste, größte und modernste Freibad im damaligen Bezirk Erfurt. Was davon heute geblieben ist sieht man auf den Bildern aus diesem Frühjahr.

  

 

  

Aber die Geschichte geht noch weiter.

1965 wurde das HO - Terrassencafe eröffnet, das 700 Gästen platz bot und das das erste dieser Art im Bezirk war. Auch wurden am Gondelteich nach und nach der Bootssteg erneuert und neue Boote angeschafft. Das sollten eigentlich sehr gute Vorraussetzungen für einen langen Betrieb der Anlagen sein. Leider viel schon 1969 die Anbindung durch die Straßenbahn weg, was durch Busse aber gut ausgeglichen wurde. In den folgenden 30 Jahren wurde nicht all zu viel für die Erhaltung, vor allem des Freibades, getan. Eine umfassende Rekonstruktion des Saales und der Gaststätte sowie die Neugestaltung der Außenanlagen zwischen Gondelteich und Gaststätte erfolgten Anfang der  1970er Jahren. Damit war es aber auch schon vorbei mit der Pflege des Naherholungsgebietes "Kulturstätte Schwanenteich".

  

 

 

 Auch nach der Wende folgten nur halbherzige Versuche, das mittlerweile marode Bad zu retten. Öffentliche Gelder wurden unnütz vergeudet ohne das sich wirklich etwas getan hat.

  

Anfang des neuen Jahrtausends wurde noch einmal der Versuch unternommen, mit dem Umbau des Strandbeckens aber mit nur mäßigem Erfolg, das Bad wieder zu beleben. Das Kampfbecken und der Turm blieben gesperrt, die Kassen leer.

Auch durch die Abtrennung eines Teils des Bades für einen Campingplatz hat sich die Situation nicht gebessert. Der Campingplatz war eine tolle Idee, liegt sehr schön am Rand des Bades aber..., wer möchte seinen Urlaub an einem geschlossenen Bad verbringen? Touristen und Campingfreunde zieht der Platz so nicht an! Der Reigen lässt sich noch weiter fortführen z.B. - welcher Pächter übernimmt den ehem. Kiosk? Bei geschlossenem Bad und deutlich unterbelegtem Campingplatz?...                  Niemand !!!

 

Erinnern wir uns einmal, welch Trubel einstmals in unserem Bad herrschte. Sogar richtige Wettkämpfe wurden hier ausgetragen. Außerdem war das Kampfbecken wichtiger Trainingsort für unsere Wassersportler. Es war schön, ein Bad in der Stadt zu haben, das auch noch gut mit dem Bus erreichbar war.

Von den 8 Wochen Sommerferien fuhren die meisten zwei Wochen mit den Eltern in den Urlaub, zwei Wochen ins Ferienlager und die restliche Zeit verbrachten wir hier, im Schwanenteichbad (abzüglich eine Woche Kirmes).

In den Sommermonaten ist hier immer Hochbetrieb gewesen. So richtig voll war es aber an heißen Wochenenden. Trotz des vielen Platzes auf den Liegewiesen war kaum noch ein freies Plätzchen für Decke und Handtuch zu finden. Die lange Schlange am Kiosk, die oft bis hinunter zum Kampfbecken reichte, wurde den ganzen Tag nicht kürzer, das Terrassencafe war voll, die Boote meist auf dem Teich. Oft wurde der Sonntagsnachmittagskaffee auf der Decke in Form eines Familienpicknicks eingenommen. Es waren schöne, unvergessliche Kinder- und Jugendtage.

 

Natürlich muss man in diesem Zusammenhang auch die positiven und oft nicht billigen Veränderungen und Maßnahmen sehen, die in den letzten Jahren durchgeführt wurden. Der gesamte Gaststättenkomplex mit Saal und Außenanlagen wurden 2010 saniert und neu gestaltet. Vor allem aber war die von April bis Oktober 2010 durchgeführte Sanierung des Teiches längst überfällig. Die letzte "Entschlammung" erfolgte 1967/68.

   

 

Einige "Neuerungen" hätten aber, zu Gunsten eines nutzbaren Freibades, auch später erfolgen können. So wären die Spaziergänger auch noch 3 - 4 Jahre ohne den, sinnloser weise beleuchteten, Weg zwischen Bad und Teich ausgekommen. Auch der sündhaft teure, jetzt natürlich kostenpflichtige Großparkplatz wäre in 2 - 3 Jahren immer noch rechtzeitig gekommen. Dieses Geld wäre im Freibad besser angelegt gewesen. Was nutzt der beste Parkplatz, wenn die Benutzer fehlen, die gerne wieder in ihrem Freibad schwimmen gehen würden.

  

  Strandbecken 05/2014                                                                        Hauptweg 05/2014

OK... die Großveranstaltungen - ein Argument - aber der alte Parkplatz hätte, es nach so langer Zeit, auch noch ein paar Jahre länger getan, oder??

  

  Kampfbecken mit Sprungturm 05/2014                                              Kampfbecken 05/2014

 

 

  

  verwaister Strandbadkiosk auf dem Campingplatzgelände 05/2014   Sprungturm 05/2014 

Was aber nutzt es, sich jetzt noch darüber aufzuregen. Genau so nutzlos ist die Diskussion darüber, wer für den desolaten Zustand des Bades nun verantwortlich ist und wer wie viel Geld in den Sand gesetzt hat. Das ändert jetzt auch nichts mehr. Wichtig ist einzig und allein, das unser Freibad wieder in Schuss kommt. Dabei ist es auch egal, welcher Partei diejenigen angehören, die hier zu entscheiden haben. Ob Christdemokrat, Sozialdemokrat, Linker, Freier Demokrat oder Grüner, alle wollen doch sicher mit ihren Kindern und Familien schnellstmöglich wieder ein Freibad in Mühlhausen, unser Freibad, besuchen können.

          Tut etwas dafür, parteiübergreifend und bitte schnell.

Bedenkt aber bei den zu treffenden Entscheidungen, das Bad gehört den Mühlhäuser, unsere Mütter und Väter haben es vor etwas mehr als einem halben Jahrhundert ehrenamtlich erbaut.

  

 Sprungturm von der Teichseite 05/2014

 

                                         Fazit:

Es wäre eine Schande für die Stadt, die gerade jetzt verstärkt auf Tourismus setzt, wenn das Bad so enden würde wie die alten Stadttore, die Straßenbahn, die Gaststätte Breitsülze, das Haus des Handwerks (Stadtberg) oder die Gaststätte Parkhaus mit der Freilichtbühne am Rieseninger!

  

 (vor 1891) Pfortentor - abgerissen 1981                                     (1969) Mühlhäuser Straßenbahn - abgeschafft 1969                                     

  

 (1972) HdH Stadtberg - 1995 abgebrannt                                             (1973) Gaststätte Breitsülze - verkauft und abgerissen

  

 (1957) Freilichtbühne Rieseninger - dem Verfall preis gegeben          (1975) Gaststätte Parkhaus - verkauft, betreten verboten

 

      Unternehmt endlich etwas, es ist unser Freibad!!        

 

       Der Film zu dieser Seite ist unter http://youtu.be/cbXP6VqhHGo auf You Tube zu sehen.